Erfolgreiche Hilfsaktion im verwilderten Kleingarten

Bei uns im KGV Wolfsholz-Elsternbusch gibt es, wie in jeder Kleingartenanlage, Pächter, die gefühlt schon immer da waren. Sie haben den Garten als junge Familie gepachtet, haben ihn gehegt und gepflegt, und sind nach und nach mit ihm alt geworden. Sie haben sich in ihren früheren Jahren viel für den Verein engagiert und kannten ihre Nachbarn auch von gegenüber des Weges.

Aber die Zeit vergeht, und nicht nur die Kinder werden erwachsen, sondern auch die Bäume im Garten. Die Pächter verlieren ihre Kraft, jeder Gang in den Garten wird zum Angang, bald ersticken die letzten Rosen im Giersch und irgendwann wächst einem der Garten schneller über den Kopf, als man mit der Schere auf die Leiter klettern kann. Den Garten aufzugeben ist trotzdem für viele undenkbar, denn in den letzten Jahrzehnten ist er einem ja ans Herz gewachsen, und die Hoffnung bleibt, dass die Kraft bald wieder ausreicht, den Garten zu pflegen und die Zeit darin wieder zu genießen.

Wenn dann aber plötzlich eins zum anderen kommt, die Gesundheit einem ein Bein stellt, die Nachbarn sich immer wieder wegen Überwuchs an der Gartengrenze beschweren, der Vorstand wiederholt Pflegemängel anmahnt und schließlich die Kündigung des Pachtvertrages wegen unzähliger Verstöße gegen die Gartenordnung droht, wird es unangenehm. Mitunter stehen in dem Zusammenhang auch noch sehr hohe Kosten im Raum. In unserem Fall lag der geschätzte wirtschaftliche Schaden für die Pächter im fünfstelligen Bereich - so viel war für die erforderlichen Rekultivierungsmaßnahmen veranschlagt worden. Bei solchen Dimensionen kann einem schon angst und bange werden. Die Pächter waren schlicht überfordert.

Die Situation hatte sich leider schon seit einigen Jahren festgefahren, die Kommunikation zwischen den Pächtern und ihren Nachbarn, den Vorständen und den Mitarbeitern des Stadtverbandes hatte sich verhärtet, irgendwie ging es nicht weiter und führte auf allen Seiten zu Ärger und Frustration. Deshalb versuchte der Vorstand in diesem Sommer, die Angelegenheit aus einer anderen Richtung aufzuzäumen.

Mit viel Diplomatie und Geduld gelang es schließlich, zwischen Stadtverband und Pächterpaar einen Kompromiss auszuhandeln: Die Kündigung sollte vorerst auf Bewährung für ein Jahr ausgesetzt werden, wenn die Pächter sich im Gegenzug bereiterklärten, den Garten wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen, einen Großteil der Auflagen zu erfüllen - und sich damit wieder in der Lage versetzen, sich im altersgemäßen Rahmen der kleingärtnerischen Nutzung zu widmen.

Der immense Arbeitsaufwand, den Garten in den hierfür erforderlichen Zustand zu versetzen, hätte allerdings die Kräfte unseres Pächterpaares bei Weitem überstiegen. Deshalb waren wir alle sehr froh darüber, dass Fred Dahlbüdding vom Stadtverband sich bereit erklärte, ihnen (und unserem Verein) dabei ein wenig unter die Arme zu greifen. Er stellte uns einen Grünschnitt-Container zur Verfügung und wir planten gemeinsam eine vereinsübergreifende Hilfsaktion von freiwilligen Gartenfreunden.

Wir setzten also einen Termin für eine umfangreiche Schnitt- und Sägeaktion im Oktober fest und suchten dafür unter unseren Gartenfreunden eine ausreichende Zahl freiwilliger Helfer. Fred Dahlbüdding verstärkte unseren Hilferuf durch eine freundliche Bitte an alle Vorsitzenden der Wuppertaler Kleingärtnervereine, uns bei unserer Aktion solidarisch zu unterstützen. Ich hatte aus unseren Reihen bereits eine gewisse Anzahl Helfer zusammengetrommelt, da meldete sich telefonisch ein mir bis dato vollkommen unbekannter Herr: Er fragte, ob wir noch Bedarf an Helfern hätten - er könne gerne kommen, mit 6 Männern, 3 Frauen, 3 Sägen und zwei Anhängern, ob wir dafür noch Verwendung hätten?  Es war Lutz Germann, Bezirksvorsitzender aus Bezirk 3, der uns mit einer ganzen Mannschaft zu Hilfe kam!

Vereins-Solidarität Im großen Stil

Am Samstag, den 10.10.26 ging es morgens um 9 Uhr los. Es gab eine kurze Vorstellungsrunde, eine Orientierung im Garten, noch ein paar Instruktionen an die Helfer mit der Säge („dies kann weg, dies nur kürzen, dies bitte stehen lassen“, natürlich hatten wir vorher schon farblich markiert, was gemacht werden sollte), dann ging es an die Arbeit. Es war wirklich kaum zu glauben, was wir in den folgenden Stunden zusammen geschafft haben. Während die einen sägten und schnitten, luden die anderen unentwegt Äste auf unseren Pritschenwagen, fuhren durch die Anlage hoch zum Parkplatz, wo der riesige Container von Seibel stand, luden ab, fuhren wieder runter, um dort von neuem die Pritsche voller Grünschnitt zu laden und wieder hochzufahren.

Ich habe nicht mitgezählt, wie oft wir hin und her fuhren, aber tatsächlich war am Ende des Samstagnachmittags der ganze Container bis zum Rand gefüllt.

Ohne Pause durch bis zum Mittag

 Für die schnelle Energie zwischendurch gab es im Garten Kaffee, Wasser und ein paar motivierende Kohlenhydrate (in Form von Kuchen und Schokolade), aber keiner wollte so richtig Pause mache: alle wuckerten weiter und immer weiter, bis wir dann mittags um 13 Uhr die Sägen niederlegen mussten. Am liebsten hätten wir ja so lange weitergemacht, bis der Garten komplett fertig war, aber es war allen klar, dass das nicht an einem Tag erreicht werden konnte.

Im Vereinsheim war unterdessen schon für das leibliche Wohl der Helfer gesorgt worden: die Pächter hatten Getränke, belegte Brötchen und selbstgemachte Frikadellen beigesteuert und für die Wärme im Bauch gab es dazu noch eine herzhafte Erbsensuppe. Nach dem Essen machten sich die Helfer aus Bezirk 3 wieder auf den Weg - immerhin hatten einige von ihnen am Nachmittag noch eine Mitgliederversammlung auf dem Programm, während andere noch den Rest ihres Hochzeitstages feiern wollten.

Wir haben nachmittags mit den vereinseigenen Helfern noch ein bisschen aufgeräumt und eine erste Bilanz gezogen. Der Garten hat sich wirklich komplett verändert.  Es ist vielleicht zu vergleichen mit einem Menschen, der mit einer Rasta-Frisur zum Friseur geht und mit einer schicken Kurzhaarfrisur nach Hause kommt. Fremd, vielleicht ein bisschen zu kurz, aber „es wächst ja wieder“ -  man muss sich vielleicht erst einmal daran gewöhnen, aber eigentlich sieht es viel besser aus als früher - und fühlt sich viel (pflege-)leichter an. Der Garten hat endlich wieder Luft zum Atmen, er ist viel heller geworden, die Rosen können jetzt wieder gedeihen und es gibt Platz für neue Himbeersträucher und Kräuterbeete. Bis dahin gibt es noch viel zu tun, und dann kommen auch gerne die richtigen Vorher-Nachher-Bilder… 

Ein riesiges Dankeschön!

Mich macht diese Aktion unglaublich stolz. Sie hat gezeigt, dass das Wort „Gemeinschaft“ in unserem Kleingartenwesen kein leerer Begriff ist. Wir haben an diesem Tag nicht nur einen Garten aufgeräumt, sondern uns gegenseitig geholfen, neue Kontakte geknüpft und den echten, solidarischen Geist der Kleingärtner gelebt.                         

Mein ganz besonderer Dank gilt Norbert Kowalski und Fred Dahlbüdding vom Stadtverband für die Vorbereitung und Unterstützung der Aktion sowie die unbürokratische Hilfe durch den Container. Ohne diese Hilfe wäre die Aktion in dieser Form nicht möglich gewesen.

Ebenso danke ich jedem einzelnen Helfer und jeder Helferin aus den unterschiedlichen Wuppertaler Kleingärtnervereinen, die ihre Freizeit und ihre Kraft geopfert haben, um Gartenfreunden in Not beizustehen: Axel und Michael (KGV Stütingsberg), Mucki (KGV Kleefeld), Fabian, Sascha, Lutz, Daniela, Daniel, Saskia, (und den Kindern Emily, Muna, Joel und Linus) aus dem KGV Riescheid-West, und an Christine, Andreas, Georg und Bettina aus dem KGV Wolfsholz-Elsternbusch.

Das war gelebte Solidarität – und das Beste daran: Die Helfer haben bereits angekündigt, auch bei der Fortsetzung der Aktion wieder am Start zu sein, sobald der nächste Schritt ansteht!

Cornelia Orendi
Vorsitzende des KGV Wolfsholz-Elsternbusch